Anleger fordern Sonderprüfung

Vom 15.05.2008

INach unerwarteten Wertberichtigungen beim Immobilienfinanzierer brach die Aktie im Januar scharf ein. Anlegeranwälte wollen jetzt für Aktionäre Schadenersatz fordern.

Die Anwälte der auf Anlegerschutz spezialisierten Kanzlei Nieding + Barth wollen feststellen, ob die Hypo Real Estate (HRE) ihre Aktionäre vor der Wertberichtigung falsch über ihr Engagement bei Subprime-Krediten informiert hat. Im Januar musste HRE ein großes Portfolio von US-Kredit-Derivaten wertberichtigen. Insgesamt wurde der Wert des Portfolios um 390 Millionen Euro nach unten korrigiert. Davon wirkten sich 295 Millionen direkt auf das Jahresergebnis aus. Der Kurs der HRE-Aktie brach daraufhin ein. Nach Aussage der Anwälte hatte Vorstandschef Funke bis zur Wertberichtigung regelmäßig darauf hingewiesen, dass HRE nicht in Marktsegemente investiert sei, die unter der Subprime-Krise litten und dass HRE deshalb nicht von der Krise betroffen sei.

Jetzt wollen die Anwälte Schadensersatz für die Aktionäre fordern, die bei dem Kursrutsch Geld verloren haben. Zur Rechenschaft wollen sie die Bank, den Vorstand sowie den Aufsichtsrat ziehen. "Die HRE hätte schon vor dem 15. Januar in einer Ad Hoc-Meldung mitteilen müssen, dass das Institut stärker betroffen ist als vorher kommuniziert", sagte Anwalt Klaus Nieding gegenüber BÖRSE ONLINE.

"Unsere Mandanten können sich nicht vorstellen, dass der Wertberichtigungsbedarf von 400 Millionen Euro erst Mitte Januar, quasi über Nacht, festgestellt wurde, nachdem der Vorstand in den Monaten zuvor immer geäußert hatte, dass keine Gefahren drohen." Er und seine Kollegen vertreten rund 100 private und institutionelle Anleger mit gemeinsamen Schadenersatzforderungen von rund 10 Milionen Euro.

Auf der Hauptversammlung am 27. Mai werden die Anwälte einen Sonderprüfer beantragen, der intern die Informationspolitik von HRE durchleuchten soll. Allerdings brauchen die Anwälte die Mehrheit der auf der Hauptversammlung abgegebenen Stimmen, um mit ihrem Antrag durchzukommen – das erscheint im Moment wenig wahrscheinlich. Scheitert der Antrag, kann die Sonderprüfung allerdings vor Gericht durchgesetzt werden. Klage auf Schadenersatz wollen die Anlegeranwälte auf jeden Fall einreichen; vermutlich Ende Juni oder Anfang Juli.

HRE-Chef Georg Funke und der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt F. Viermetz hatten bereits im Januar auf den Vorwurf reagiert, sie hätten falsch und zu langsam informiert. In einem Brief an die Mitarbeiter erklärten sie damals, HRE habe frühzeitig bekannt gemacht, dass die Höhe des im Zusammenhang mit der Subprime-Krise relevanten Portfolios von US Collateralized Debt Obligations (CDOs) 1,5 Milliarden Euro betrage.

"Am Ende des dritten Quartals, exakt zum Zeitpunkt unserer Berichterstattung, war keines unserer 40 Exposures leistungsgestört und wir hatten lediglich eine Abschreibung in Höhe von vier Millionen Euro zu bilden", hieß es in dem Brief. Es habe daher keinen Grund gegeben, bei Veröffentlichung der Quartalszahlen am 7. November ein negativeres Bild zu malen. Erst am 12. November habe die Ratingagentur Fitch mit ersten Herabstufungen bei CDOs begonnen. In einer Telefonkonferenz am 15. Januar 2008 hatte Funke zum ersten Mal öffentlich auf die Probleme mit dem Derivate-Portfolio hingewiesen; daraufhin stürzte die Aktie ab.