Hauptversammlung
Schelte für Hypo Real Estate
Vom 28.05.2008
VON THOMAS MAGENHEIM
München. Anteilseigner der Münchner Hypo Real Estate proben den Aufstand gegen den unter die Räder der Bankenkrise geratenen Immobilienfinanzierer. "Das war das größte Kommunikationsdesaster eines Dax-Unternehmens", rügte ein Aktionär zur Hauptversammlung unter dem Beifall von Miteignern. Stein des Anstoßes war der Umgang des Immobilienfinanzierers mit den Folgen der US-Immobilienkrise. Monatelang hatte sich die Hypo Real Estate damit gebrüstet, keine Risiken eingegangen zu sein. Doch dann räumte Vorstandschef Georg Funke Anfang des Jahres eine Belastung von 390 Millionen Euro ein. Der Aktienkurs brach daraufhin um gut ein Drittel ein, was für einen Dax-Wert ziemlich ungewöhnlich ist.
"Es fehlt an Kompetenz"
Nicht nur die Vertreter der Kleinaktionäre übten heftige Kritik. Auch große institutionelle Anleger wie Union Investment fanden deutliche Worte. "Es fehlt an Kompetenz", sagte ein Union-Sprecher an die Adresse des Managements und argwöhnte eine "gewisse vorsätzliche Methode".
Zwar räumen auch Kritiker ein, dass sich das Institut verglichen mit anderen Häusern in der Krise gut geschlagen habe. Vor dem "rabenschwarzen" Tag im Januar habe sich die Bank aber sogar als Gewinner der Krise bezeichnet. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) verweigern dem Management die Entlastung.
Eine Nicht-Entlastung ist zwar peinlich, bleibt aber aktienrechtlich ohne Folgen. Bedrohlicher ist da schon die von der Frankfurter Kanzlei Nieding & Barth beantragte Sonderprüfung. Rechtsanwalt Klaus Nieding ist gleichzeitig einer der prominentesten Vertreter der DSW. Eine Sonderprüfung könnte den Boden für Schadenersatzklagen gegen Manager ebnen.
Notfalls wollen die Anwälte die Sonderprüfung vor Gericht durchfechten. Geklagt werden soll vor dem Landgericht München, wo die Hürden für den gerichtlich erzwungenen Einblick in Bankinterna als besonders niedrig gelten.
Ungebetenen Besuch hatte der Immobilienfinanzierer nach dem Kurssturz bereits: Die Finanzaufsicht Bafin nimmt derzeit die internen Kontrollsysteme und das Risikomanagement des Instituts unter die Lupe. Von ihren Erkenntnissen will die Münchner Staatsanwaltschaft den Fortgang ihrer Ermittlungen abhängig machen. Ihr liegen mehrere Anzeigen von Aktionären vor.
Anderen Investoren kam der Kurseinbruch zupass. Etwa dem US-Finanzinvestor JC Flowers, der bis zum 23. Juni für gut eine Milliarde Euro zwischen 20 und 24,9 Prozent der HRE kaufen will. Selten war ein Finanzinvestor in so großem Stil an einem Dax-Konzern beteiligt. Die Spitze der Hypo Real Estate begrüßt den Einstieg der Amerikaner als stabilisierende Maßnahme.
Unter dem Strich sehe sich das Haus aber als unschuldiges Opfer der Bankenkrise, sagte Aufsichtsratschef Kurt Viermetz. Er stellte sich demonstrativ hinter den Vorstand, der stets auf grundsätzliche Risiken aus der US-Immobilienkrise hingewiesen habe. Die Schuld gab er den "Fehlinterpretationen" der Medien. |