Hypo Real Estate kommt um drastische Schritte nicht herum

Vom 29.09.2008

Von Madeleine Winkler DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Für die Hypo Real Estate geht es derzeit um alles: Ein zum Überleben notwendiger Milliardenkredit und eine innerhalb von kürzester Zeit zeitweise um drei Viertel geschmolzene Marktkapitalisierung zwingen den Immobilien- und Staatsfinanzierer, sein Geschäftsmodell gründlich zu überdenken. Dabei ziehen Beobachter alle Möglichkeiten in Betracht.

Der Verkauf von Vermögensteilen steht bereits auf der Agenda. Pläne über die Abwicklung oder Zerschlagung der HRE gebe es aber nicht, sagte ein Sprecher zu Dow Jones Newswires. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kündigte jedoch an, dass die Assets der Hypo Real Estate Group (HRE) in einem "geordneten Verfahren" liquidiert werden sollen.

Auch an der Börse wird angesichts der von Unruhe durchzogenen Marktsituation nichts mehr ausgeschlossen. "Trotz Rettungsfonds wird die Hypo Real Estate um drastische Schritte nicht herumkommen", sagte Klaus Nieding von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu Dow Jones Newswires. Hellhörig mache die Wortwahl des Sprechers des Finanzministeriums. "Wenn von 'geordneter Abwicklung' die Rede ist, deutet das auf eine Filetierung des Unternehmens hin."

Angesichts der derzeitigen "Spottpreise" am Markt sei eine Verscherbelung von Einzelteilen an Konkurrenten nicht im Sinne der Aktionäre, betonte Nieding. "Wenn man soviel Geld in die Hand nimmt, dann ist es sinnvoller, das Unternehmen zu erhalten."

Allerdings sei im heutigen Kursrutsch bereits eine Filetierung des Unternehmens eingepreist. "Ob es tatsächlich dazu kommt, wird unter dem Strich davon abhängen, wie rettungsfähig das Unternehmen als ganzes ist." Das jetzt zu entscheiden, sei allerdings verfrüht. Analysten sehen den Verkauf von HRE-Vermögensteilen an die Wettbewerber angesichts der Schwierigkeiten sowohl im traditionellen Immobiliengeschäft als auch bei der Staatsfinanzierungs-Tochter Depfa als ein schwieriges Unterfangen an.

Einen Käufer zu finden sei schwierig, sagte Analyst Sebastian Reuter von Hauck & Aufhäuser. Die Commerzbank AG als Mutter des Immobilienfinanzierers Eurohypo sei derzeit mit der Akquisition der Dresdner Bank ausgelastet und habe bereits abgewunken.

Auch bei der Deutschen Bank rechnet der Analyst nicht mit Kaufabsichten. "Ich glaube nicht, dass sich dass die Deutsche Bank antut. Sie hat sich erst vor einigen Jahren von ihrem Euroyhpo-Anteil getrennt", erklärte er.

Nur wenige Wettbewerber seien interessiert oder überhaupt in der Lage, zum gegenwärtigen Zeitpunkt Teile aufzukaufen, sagte Analyst Michael Seufert von Nord/LB zu Dow Jones Newswires.

Der Finanzinvestor JC Flowers, der einen Mehrheitsanteil an der HRE hält, könnte zusätzlich abschreckend auf potenzielle Käufer wirken, sagte Seufert. Diese wären wahrscheinlich nicht daran interessiert, die Kontrolle im Unternehmen zu teilen.

Dass der Finanzinvestor JC Flowers sich von HRE zurückzieht, ist nicht unterdessen zu erwarten. Der HRE-Mehrheitseigner wolle weiterhin, wie angekündigt, sieben bis acht Jahre an HRE festhalten, sagte eine informierte Person zu Dow Jones Newswires. "Der Plan bleibt wie er ist", bekräftigte die Person.