DAX knapp am Rekord-Minus vorbei
DAX binnen Jahresfrist zeitweise halbiert - Verhaltener Ausblick von Analysten und Aktionärsschützern auf 2009
Der Deutsche Aktienmarkt hat den Handel versöhnlich beendet. Der DAX ging mit einem Plus von 2,24 Prozent auf 4810,20 Zähler aus der Jahresschlussbörse. Unter dem Strich sackte der Leitindex über das Jahr aber um 40,37 Prozent ab.
Billionen für die Finanzbranche, Milliarden für die Autoindustrie, Staatsgarantien für das Sparvermögen der Verbraucher und eine beispiellose Geldvernichtung an der Börse: Das Jahr, in dem die Finanzkrise weltweit wütete, dürfte als eines der härtesten Jahre für Aktionäre in die Geschichte eingehen. Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz nennt es das "Horrorjahr 2008" und erklärt trotzdem: "Es besteht kein Grund zur Panik."
"Ruhe bewahren - Nicht verkaufen"
Der Aktionärschützer Nieding sagte am Dienstag, trotz der dramatischen Kursrückgänge an den internationalen Aktienmärkten gebe es für Anleger mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont keinen Grund, zu verkaufen. "Wer das Geld jetzt nicht braucht, sollte auch nicht verkaufen." Die Parole laute vielmehr: "Ruhe bewahren."
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Der letzte Dax-Tag 2008
"Gut, dass dieses Jahr vorbei ist", fasst Aktienhändler Stefan de Schutter von alpha Wertpapierhandel zusammen. Die Unsicherheit und damit auch die Volatilität sei noch nie so hoch gewesen.
Der MDAX beendete den letzten Handelstag mit plus 1,59 Prozent auf 5601,91 Zähler - auf Jahressicht ein Abschlag von 43,22 Prozent. Das Technologiebarometer TecDAX verabschiedete sich mit einem Anstieg um 1,96 Prozent auf 508,31 Zähler aus dem letzten Handelstag, hinterlässt den Anlegern aber ebenfalls ein sattes Gesamtminus von 47,84 Prozent.
Allerdings dürfte dies im kommenden Jahr erneut viel Geduld und gute Nerven erfordern, denn Nieding meint: "2009 wird es wohl eher eine Seitwärtsbewegung geben, mit leicht negativer Tendenz." Den Deutschen Aktienindex (DAX) sieht der Aktionärsschützer im kommenden Jahr bei 3800 bis 4700 Punkten. Allerdings schränkt er ein, diese Entwicklung sei nur dann zu erwarten, "wenn es keine größeren Katastrophen, etwa Kriege oder Terroranschläge gibt, und wenn zudem eine Kreditklemme für die Unternehmen ausbleibt".
Zeitenwende Lehman-Pleite
Die verheerende Wirkung schlechter Nachrichten erfuhren Aktionäre 2008 schmerzvoll. Eine nie dagewesene Serie schwarzer Börsentage trieb die Kurse in den Keller. Auslöser war am 15. September die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers - die als eine Art Zeitenwende in der Finanzkrise gilt, denn danach wurde es erst richtig schlimm für die Branche.
Am Tag des Lehman-Kollapses stürzte das weltweit wichtigste Börsenbarometer, der Dow Jones Index, mehr als 500 Punkte ab. Es folgten Schlag auf Schlag Verluste von 370,777, wieder 370 und erneut mehr als 500 Punkten.
40 Prozent weniger DAX
Der DAX raste ebenfalls in die Tiefe: Allein vom 12. September, dem letzten Handelstag vor der Lehman-Pleite, bis zum 10. Oktober verlor der deutsche Leitindex fast 1700 Punkte. Auf Jahressicht gesehen wird das Ausmaß der Einbußen erst recht deutlich: Stolze 8067,32 Zähler konnte der DAX am letzten Handelstag 2007 verbuchen. Ein Jahr später pendelt das Börsenbarometer um die 4800 Punkte und damit 40 Prozent niedriger.
Dem Riesencrash auf Raten folgte der Exodus der privaten Anleger in Deutschland. Nach Berechnungen des "Handelsblattes" sind die Aktien der DAX-Unternehmen heute nur noch zu 22 Prozent in der Hand von Kleinanlegern. Vor fünf Jahren sei es noch rund ein Drittel gewesen. Insgesamt hielten nur noch 3,5 Millionen Deutsche Aktien, die niedrigste Quote aller Industrieländer.
Kein Stoff für Aktienträume
Die Einbußen 2008 und die düsteren Konjunkturprognosen für 2009 sind nach Einschätzung der Helaba-Bank von Mitte Dezember denn auch nicht der Stoff, "aus dem Aktienträume gemacht sind". Der Vergleich mit anderen Rezessionen zeige aber, dass Aktien "in der Regel deutlich vor dem Ende einer Rezession - im langjährigen Durchschnitt waren es rund 6 Monate - zu einer spürbaren Kurserholung" ansetzten. Entscheidend sei allerdings das Timing. Darauf verweist auch Nieding, der die Anleger an eine alte Börsenweisheit erinnert: "Nie in ein fallendes Messer greifen."
Vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim befragte Finanzmarktexperten erwarten für 2009 derweil eine Besserung am deutschen und auch am amerikanischen Aktienmarkt. Bei rund 5400 Zählern sehen die befragten Analysten den DAX Ende 2009, für den Dow Jones (gegenwärtig um die 8500 Punkte) prognostizieren sie 9500 Zähler. Das ZEW meint: "Dies ist angesichts der großen Risiken durch die Finanzmarktkrise eine gute Prognose, auch wenn die Kurse nicht annähernd auf den Stand vom Jahresende 2007 kommen werden."
Mit Material von dpa und reuters |