Börse keine Einbahnstraße
ANLEGERBELANGE – Anlegerschützer Nieding spricht über Wege aus der Finanzkrise
(gwh). „Finanzkrise - Ursachen und Folgen. Ein schwieriges Thema in einer schwierigen Zeit.“ So formulierte es Christa Hermes, Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Kirn, in ihrer Begrüßung. Als Referenten hatte man Klaus Nieding, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Frankfurt am Main, gewinnen können.
„Nahezu jedes Medium in Deutschland - von der Talkshow in den großen Fernsehprogrammen bis zum Stammtischgespräch - steht im Zeichen der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten und Börsen“, stellte Klaus Nieding als Anlegerschützer eingangs fest. Habe man anfänglich noch geglaubt, es handele sich bei dieser Malaise um eine rein amerikanische „Krankheit“, sei über die UBS, Royal Bank of Scottland, Hypo Real Estate und viele andere europäische Bankhäuser der Virus auch nach Europa gekommen und habe nach und nach alle Finanzsysteme weltweit angesteckt. „Mittlerweile sind selbst Asien und Russland infiziert“, erklärte Nieding. Die Lage sei anfänglich überall verkannt worden, auch beim Schweizer Chef der Deutschen Bank Dr. Ackermann, der am 29. Mai 2008 verkündete: „Beginn vom Ende der Krise“.
Ganz andere Lehren habe hingegen der deutsche Anleger aus den letzten 24 Monaten ziehen müssen. Er habe erneut bewiesen bekommen, dass die Börse keine Einbahnstraße sei, sagte der Meddersheimer Rechtsanwalt. Der Anleger habe erkennen müssen, dass einige Prozentpunkte mehr Zinsen auch bedeuten könnten, dass innerstaatliche Einlagensicherungssysteme im Notfall nicht eingreifen und nicht nur Banken auf den niederländischen Antillen, sondern eben auch an weniger exotischen Orten, wie beispielsweise Island, unsicherer Verwalter des dort angelegten Geldes sein könnten.
„Trotz dieser Potenzierung der Katastrophe in kürzester Zeit erstaunt es mich, wie besonnen und ruhig der Privatanleger bis heute eigentlich geblieben ist.“ Zwar seien auch bei ihm zu einem bestimmten Zeitraum nahezu täglich Anrufe von besorgten Kapitalanlegern eingegangen, die wissen wollten, ob sie jetzt ihr Geld von der Bank holen und besser zu Hause unter dem Kopfkissen verstauen sollten, schildert Nieding die Situation. Dies sei auch ein Erfolg der Politik, die nicht mehr tatenlos zuschaue, sondern Banken mit Liquidität versorge, hieß es weiter. Die Finanzkrise sei fast überwunden gewesen, als die Krise des Euro hinzugekommen sei. Ob und wann die Krise überwunden sei, sei schwer vorherzusagen, befand Nieding.
Auch in Sachen Aktienmarkt sieht der Fachmann für das laufende Jahr eine Fortsetzung des Seitwärtskurses an den Wertpapiermärkten und zwar bei Kursen zwischen 5 000 und 6 800 Punkten im DAX 30.
Nieding fragte auch, welche Folgerungen nun in rechtlicher Hinsicht aus Gründen des Anlegerschutzes aus der Finanzkrise zu ziehen seien. Das seien in erster Linie die Einführung einer Außenhaftung gegenüber Vorständen und Aufsichtsräten, aber auch die Verbesserung der Beweissituation und die Verjährungsfristen müssten verlängert werden. Er forderte unter anderem, dass der Vertrieb bestimmter Kapitalanlageprodukte überarbeitet werden müsste, und eine Kontrolle für Zertifikate.
Klaus Niedings Rat an die Anleger lautete: „Ruhe bewahren, Zeit mitbringen, sich umfassend informieren, Hektik- oder Panikverkäufe auf niedrigem Niveau vermeiden. Keine Kapitalanlagen zeichnen, die man nicht versteht, und sich trotz der bereits gestiegenen Kurse nach Gewinn versprechenden soliden Unternehmen umschauen, in deren Werte man auf günstigem Niveau durchaus wieder investieren kann.“
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