Dax-Geflüster
Angstgegner Finanztransaktionssteuer
Von Arne Gottschalck
Frankreich will sie, Deutschland vielleicht auch - die Finanztransaktionssteuer soll Zocker bremsen und die Welt wieder ins Lot rücken. Gefährdet die Bundesregierung damit auch das zarte Pflänzchen Aktienkultur, benachteiligt sie private Aktiensparer? Beobachter sprechen bereits von einem Konjunkturprogramm für die Londoner City.
Hamburg - Neu ist sie nicht, die Diskussion um die Einführung einer Finanztransaktionsteuer. Doch in der abgelaufenen Woche nahm sie richtig Fahrt auf. Immerhin ist Frankreich offenbar bereit, sie notfalls auch im Alleingang einzuführen. Und auch die Bundesregierung denkt laut über die Einführung der Steuer nach. Doch welche Folgen hätte so eine Steuer?
Dass die Finanzlobby die Zukunft in düsteren Farben malt, war zu erwarten. "Allgemein steht zu befürchten, dass eine Finanztransaktionssteuer negative Auswirkungen auch auf Unternehmen und Beschäftigte hätte, die Wirtschaft insbesondere im Bereich der Kreditversorgung belasten würde, Finanzgeschäft in nur wenig regulierte Märkte umlenkt - mit den entsprechenden Folgen für die Marktstabilität -, wenn sie nicht global oder zumindest EU-weit eingeführt würde", heißt es in einem Brief der Verbände an Birgit Reinemund, die Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages.
Unterzeichnet haben unter anderem der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).
Ebenso verständlich ist die Gegenposition, die mancher Politiker mit Blick auf sein Wahlvolk gerne einnimmt. Denn die Einführung der Steuer soll nicht nur dazu dienen, Exzesse am Finanzmarkt zu begrenzen, sondern auch dazu, den Bürgern im Umgang mit den vermeintlichen Profiteuren der Finanzkrise Durchsetzungsstärke zu demonstrieren. Es gilt, das "Monster" zu zähmen, wie es Ex-Bundespräsident Horst Köhler einst nannte.
Doch welche Konsequenzen hat so eine Steuer für den privaten Anleger? Auch in dieser Frage haben sich Kampflinien bereits gebildet. "Durch diese Abgabe werden erneut die Privatanleger bestraft", sagt zum Beispiel der Anwalt Klaus Nieding, der auch ständiger Sachverständiger im Finanzausschuss des Bundestages ist. "Die Belastungen durch eine solche Steuer werden selbstverständlich 'nach unten' durchgereicht und die einzelnen Kapitalanlageprodukte entsprechend verteuern". Und weiter: "Das einzige, was man erreicht, ist eine weitere Belastung der Aktienkultur und die Abwanderung von Investoren."
Neue Lasten für deutsche Finanzhäuser
In der Tat dürften Finanzinstitute wie Versicherungen oder Fondsgesellschaften die durch die Steuer entstehenden Kosten - derzeit sind zwischen 0,01 und 0,1 Prozent des Volumens einer Transaktion im Gespräch - an ihre Kunden weiterreichen. Direktinvestoren hätten es in der Hand, zum Beispiel beim Aktienkauf die Steuerlast zu senken, indem sie wenig handeln. Kauft der Anleger dagegen eine Lebensversicherung oder einen Fonds, kann durch die Transaktionen innerhalb der Vehikel einiges zusammenkommen - ohne dass er darauf einen Einfluss hätte.
Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) hat es für einen Fonds ausgerechnet - im Jahr würde die Rendite des UniGlobal um 0,41 Prozentpunkte gemindert werden, gerechnet über 40 Jahre. Handeln die Verwalter der Vehikel weniger, ist diese Belastung auch geringer.
"Versicherungen wären sicherlich von der Steuer betroffen, da sie hauptsächlich in Wertpapiere investieren", erklärt Christof Kessler, Vorstand der Gothaer Asset Management. "Als ALM-gesteuerter 'long-only'-Manager mit einem Turnover von unter 20 Prozent im Jahr wäre ein möglicher Performanceeffekt im Bereich von rund 0,02 Prozent nicht sehr relevant", sagt Kessler. ALM steht für Asset-liability-management und beschreibt die Verpflichtung der Versicherungen, am Ende des Jahres eine bestimmte Verzinsung erzielen zu müssen.
Die Konsequenz aus der möglichen Steuereinführung für ihn: "Sollten Devisentermingeschäfte außen vor bleiben, hätten wir keine Änderungen in unserer Anlagepolitik nötig."
Die Steuer trifft also die Investoren der ruhigen Hand weniger als jene, die häufiger handeln. Und sie träfe jene Anbieter nicht, die ihren Sitz in Ländern haben, die sich dem Regime der neuen Steuer nicht unterwerfen. Zum Beispiel Großbritannien.
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